Als hätten sich Car2go, DriveNow und Multicity abgesprochen: Zum Monatswechsel flatterte von allen drei One-Way-Carsharern unschöne Post in die digitalen Briefkästen der Kunden. Ab April passen Smart, BMW und Citröen die Tarife ihrer Carsharing-Dienste an. Im Klartext heißt das leider meistens: es wird teurer. Wir verschaffen einen Überblick über das neue Tarifchaos.

DriveNow erhöht Minutenpreise und lässt Guthaben verfallen

Am härtesten trifft es die Kunden von DriveNow: Bisher zahlten diese ohne Prepaid-Guthaben 29 Cent pro Minute für Minis und 1er BMWs. Nur der BMW X1 wurde bereits seit Einführung mit 34 Cent minütlich berechnet. An dieser Ausnahme ändert sich nichts, dafür werden die anderen Fahrzeuge teurer. Mini, Mini Clubman und BMW 1er kosten dann 31 Cent pro Minute – der Mini Cabrio im Winter auch, im Sommer (April bis einschließlich Oktober) allerdings 34 Cent.

Die neuen „Spar-Tarife“ sind da nur ein geringer Trost, denn die darüber gekauften Minuten verfallen schon nach 30 Tagen. Bisher waren Prepaid-Minuten zeitlich unbegrenzt gültig – was bei den stattlichen Preisen von bis zu 120,00 Euro für 500 Minuten eigentlich auch zu erwarten wäre. Einen Preisvorteil bieten die neuen Prepaid-Pakete gegenüber den alten hingegen nicht, denn die Minutenpreise lagen umgerechnet schon vorher bei mindestens 24 Cent. Außerdem verlängern sich die „Spar-Tarife“ nun monatlich, wenn man sie nicht rechtzeitig kündigt.

DriveNow wird durch die beiden Änderungen insgesamt also deutlich unattraktiver, denn die neuen „Spar-Tarife“ entpuppen sich eher als Mogelpackung gegenüber den bisherigen Prepaid-Paketen. Dass bei DriveNow mittlerweile der reduzierte Stundenpreis (14,90 Euro) für Minis entfallen ist und generell ab dem 201. Kilometer pro Mietvorgang je Mehrkilometer zusätzlich 29 Cent anfallen, ist da nur noch ein Nebenschauplatz. Dementsprechend groß ist auch der Unmut der Kunden, die sich im Blog und auf der Facebookseite der Münchener vielfach beschweren.

Auch Car2go wird teurer, aber vor allem beim Parken

Wer nun ans Wechseln zum zweiten großen Free-Float-Carsharer Car2go denkt, wird leider auch etwas enttäuscht. Zwar bleibt der Minutenpreis hier unverändert bei 29 Cent, aber wer die Miete beim Parken nicht beendet, zahlt künftig minütlich satte 19 Cent statt bisher 9 Cent (DriveNow verlangt hier weiter 10 Cent).

Auch längere Fahrten werden deutlich teurer. So steigt der Stundenpreis von 12,90 Euro (21,5 Cent / Minute) auf 14,90 Euro (24,8 Cent / Minute) und der Tagespreis von 39,00 Euro (1,625 Euro / Stunde) auf 59,00 Euro (2,46 Euro / Stunde). Im Gegenzug erhöht Car2go die Freikilometer je Fahrt von 20 auf 50 Kilometer, jeder weiterer Kilometer kostet dann weitere 29 Cent. Neukunden zahlen dafür bei der Anmeldung künftig 19,00 Euro statt nur 9,90 Euro als einmalige Registrierungsgebühr. Diese wird aber sicher auch weiterhin öfter durch Aktionen reduziert oder entfällt gar komplett.

Insgesamt fällt die Preiserhöhung bei Car2go nicht so stark ins Gewicht, da die Minutenpreise bei den für das One-Way-Carsharing üblichen kürzeren Fahrten von A nach B gleich bleiben. Daher ist der Protest auf der Facebookseite des Unternehmens auch eher verhalten.

Multicity schafft 10-Minuten-Takt ab

Bleibt noch Multicity als Alternative, die auf rein elektrische Fahrzeuge mit vier Sitzen setzen. Bisher hielt sich die Euphorie um das Carsharing-Angebot von Citröen in Grenzen. Das mag an den gewöhnungsbedürftigen Wagen und dem 10-Minuten-Takt gelegen haben. Letzteres ändert das Unternehmen nun: statt 2,50 Euro pro zehn Minuten (rechnerisch 25 Cent / Minute) verlangen die Franzosen nun 28 Cent pro Minute und sind damit trotz der Erhöhung des rechnerischen Minutenpreises am günstigsten. Der Unterschied zur bisherigen Abrechnung wird allerdings wohl kaum spürbar sein, da der tatsächliche Minutenpreis durch den 10-Minuten-Takt bisher schon über dem rein-rechnerischen lag. Insofern passt sich Multicity hier einfach dem üblichen Minutenmodell an.

Wer öfter fährt kann wie bei DriveNow Prepaid-Minuten-Pakete mit Rabatten kaufen: 500 Minuten kosten beispielsweise 100,00 Euro (entspricht 20 Cent pro Minute). Diese verfallen bei Multicity allerdings nicht, wie künftig bei DriveNow, schon nach 30 Tagen. Der bisherige “Vielnutzer-Tarif“ mit 5,00 Euro Monatsgebühr und Reduzierung auf 2,00 Euro (statt bisher regulär 2,50 Euro) für zehn Minuten entfällt, vermutlich auch mangels Kundeninteresse.

Gleichzeitig stockt Multicity die Fahrzeugflotte von 100 auf 350 Citröen C-Zero auf und erweitert das Geschäftsgebiet u.a. in Friedenau, Lichtenberg, Prenzlauer Berg und Weißensee. Damit mausert sich der Elektro-Carsharer als echte Alternative zu DriveNow und Car2go, auch wenn es keinen reduzierten Minutenpreis für’s Parken gibt. Dafür kostet die Miete pro Tag maximal 39,00 Euro (effektiv 1,625 Euro / Stunde), wobei dann die ggf. angefallenen Parkgebühren der Stadt zusätzlich weiterberechnet werden. Wer noch kein Multicity-Kunde ist und angesichts der deutlichen Preiserhöhungen der anderen beiden One-Way-Carsharer über einen Wechsel nachdenkt, zahlt in der Zukunft nur noch 9,90 Euro statt bisher 25,00 Euro für die Anmeldung und erhält dabei weiterhin 30 Freiminuten.

Preisvergleich

Die Tarifänderungen im Vergleich

Insgesamt ist das Carsharing der Autohersteller also teurer und die Tarife oft auch undurchsichtiger geworden. Einzig bei Multicity sind die Preisänderungen marginal und man scheint von den Erhöhungen bei Car2go und vor allem DriveNow profitieren zu wollen, indem die Anmeldegebühr gesenkt und das Tarifmodell vereinfacht wurde. Es wird spannend zu sehen, ob sich die verärgerten Kunden insbesondere von DriveNow abwenden und sich auf die bisher eher wenig bewegten Elektro-Citröen einlassen werden. In Sachen Komfort und Modellvielfalt setzt DriveNow allerdings weiterhin den Maßstab. Car2go eignet sich durch die Zweisitzer nicht für jede Fahrt und die Citröen C-Zero von Multicity sind nicht nur wegen ihres Elektroantriebs gewöhnungsbedürftig. Beim Preis kann DriveNow aber nur noch punkten, wenn man während der Reservierung parkt.

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