Gestern Abend wurde auf Prosieben in der Sendung Galileo ein Carsharing-Test gezeigt. Im Vergleich mussten sich Car2go, DriveNow und Flinkster messen lassen. Teststadt war Düsseldorf, wo alle drei Anbieter tätig sind, wie es auch in Berlin der Fall ist. Der Beitrag geht über 12 Minuten, enthält allerdings Fehler und Lücken, die das Bild verzerren. Wir haben den Test einmal genauer unter die Lupe genommen.

Test 1: Anmeldung

Bei der Anmeldung hat die Redaktion vor allem den Faktor Zeit bewertet. Drei Tester wurden jeweils einem der drei Anbieter zugeteilt. Da kann es natürlich schon mal zu personenabhängigen Unterschieden kommen, wer schneller tippt, ist klar im Vorteil. Die Anbieter haben hierauf keinen Einfluss. Beim ersten Schritt, der Online-Registrierung, schnitt Flinkster am besten ab. Hier sind in der Tat vorab auch die wenigsten Angaben zu machen. Car2go verlangt zwar ähnlich viele Daten, wie DriveNow, allerdings verlieren die Münchener, weil sie die Zahlung nur per Kreditkarte anbieten. Flinkster und Car2go ermöglichen alternativ auch den Bankeinzug. Nach der Online-Registrierung müssen alle drei Probanden einmalig in eine Filiale, um die Mitgliedskarte bzw. den Chip zum Öffnen der Fahrzeuge zu erhalten. DriveNow hatte durch das Sixt-Stationsnetzwerk mit Abstand die meisten Anlaufstellen, dies fließt aber offenbar in die Bewertung nicht mehr ein. Dass Flinkster online die wenigsten Daten abfragt, rächt sich beim anschließenden Gang zur Registierungsstelle, wo erst dann beispielsweise die Führerscheindaten eingetragen werden, was länger dauert. Insgesamt erhält Car2go am Ende 3 Punkte, Flinkster 2 und DriveNow nur 1 – vor allem wegen der Kreditkartenpflicht. Die unterschiedlichen Anmeldegebühren werden erst später genannt.

Test 2: Auto abholen

Car2go statt DriveNow

Ausgangspunkt sei ein zentraler Platz in der Stadt gewesen. Alle drei Tester nutzen die jeweiligen Smartphone-Apps der Anbieter, um Fahrzeuge zu reservieren. Der Flinkster-Tester fühlt sich eingeschränkt, weil er ein bestimmtes Fahrzeug habe. Ein nicht nachvollziehbares Argument, ist die konkrete Reservierung eines bestimmten Fahrzeugs doch durchaus ein Vorteil gegenüber der klassischen Automiete, wo man nur einen unbestimmten Wagen einer Fahrzeuggruppe reservieren kann. Auf die Vor- und Nachteile des stationsgebundenen Carsharings mit Flinkster wird kurz eingegangen. Car2go hat auch in diesem Test mehr Glück: eines der 300 Fahrzeuge in Düsseldorf steht ganz in der Nähe der Tester. DriveNow hat, ähnlich wie in Berlin, nur halb so viele Fahrzeuge. Bei der Einblendung der Grafik schlich sich jedoch Car2go-Smart ein.

Bei der Anzeige der Fahrzeugzahl von DriveNow wird ein Car2go eingeblendet.

Warum die DriveNow-Testerinnen unbedingt vor dem Öffnen nach möglichen Schäden suchen müssen, ist unklar. Denn anders, als im Beitrag gesagt, zahlt man nicht automatisch für neue Schäden, hat man das Fahrzeug erst einmal geöffnet. Vor dem Buchungsbeginn, kann man vielmehr im Wagen am Terminal die Schadensliste prüfen und dann ggf. neue Kratzer etc. melden. Dann gibt es ausgerechnet auch noch einen technischen Fehler, weshalb das Fahrzeug gewechselt werden muss – wieder Abzug für die Bewertung. Der Flinkster-Tester erwischt ein Fahrzeug eines Kooperationspartners und muss daher ein Fahrtenbuch ausfüllen, dass dies nicht unbedingt die Regel ist, wird nicht explizit erwähnt. Auch herrscht Verwunderung, dass das Fahrzeug nicht rot, sondern schwarz ist. Bei Car2go lief hingegen alles glatt, wobei positiv hervorgehoben wird, dass sich das Auto ganz ohne Schlüssel öffne – wie die anderen beiden allerdings natürlich auch. Der Buchungsbeginn unter anderem durch die Eingabe der PIN im Bordcomputer wird bei Car2go ebenfalls einfacher dargestellt, als bei DriveNow – wirkliche Unterschiede gibt es dabei jedoch nicht. Wieder erhält Car2go die volle Punktzahl (3), Flinkster belegt das Mittelfeld (2) und DriveNow erhält durch die Pannen Punktabzug (1).

Test 3: Fahren

In dieser Testphase wird vor allem auf die Kosten eingegangen. Hierbei wird im Beitrag dann zunächst vor allem auf die Anmeldegebühren eingegangen. Sondergebühren wie für das Umparken oder eine Sonderreinigung werden nur bei Car2go und DriveNow genannt. Ausgelassen wird die Selbstbeteiligung im Schadensfall, dabei ist dies ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal. Zum Vergleich der Fahrtkosten wird eine Strecke von 30 Minuten zu einem gemeinsamen Treffpunkt angegeben. Bei DriveNow seien es 8,70 Euro, sprich 29 Cent minütlich, bei Car2go 7,80 Euro, entsprechend des Minutentarifs von 26 Cent (in Berlin 29 Cent) und bei Flinkster errechnet Galileo 7,60 Euro Anfahrtskosten für 30 Minuten. Auch wenn dies am billigsten ist, erscheint es uns doch noch zu hoch.

Verzerrte Kosten

Die Fahrtkosten bei Flinkster sind durch eine unrealistische Berechnung verzerrt

Als Stundenpreis wurde bei Flinkster 6 Euro angegeben. Eine halbe Stunde Fahrt macht also 3 Euro aus. Beim gezeigten Opel Astra verlangt Flinkster im Bundestarif 18 Cent pro Kilometer. Das macht also rund 26 Kilometer in einer halben Stunde. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 50 km/h ist in der Stadt aber eher unrealistisch. Hier hätte man wohl besser mit der Hälfte rechnen müssen. Bei 13 Kilometern Fahrt würden 2,34 Euro Steckengebühr anfallen und der Gesamtpreis läge dann nur noch bei 5,34 Euro.

Auch wenn man hinsichtlich der Fahrtkosten durch die Kilometerberechnung unterschiedlicher Auffassung sein kann, fällt ein zweiter Preisfehler direkt im Anschluss ins Auge. Zusätzlich zu den Fahrtkosten hat die Redaktion auch noch die Parkgebühren verglichen. Bei einer 20-minütigen Standzeit errechnen die Tester bei DriveNow 2 Euro, 10 Cent pro Minute, bei Car2go sind es nur 9 Cent pro Parkminute, also 1,80 Euro. Für 20 Minuten parken mit Flinkster werden 3 Euro angezeigt. Da es keinen gesonderten Parkmodus gibt, berechnet die Bahntochter die normale Stundengebühr weiter. Diese wurde vorher allerdings mit 6 Euro beziffert. Die Parkzeit hätte also statt 3 nur 2 Euro kosten dürfen. Dass man bei Car2go und DriveNow zwar keinen Parkschein in der Stadt zahlen muss, wird hier nicht erwähnt, im Test standen die Wagen auch auf einem Supermarktparkplatz, der wohl kostenfrei war. Hier haben sich die Journalisten also eindeutig verrechnet und lassen Flinkster unbegründet teurer aussehen.

Rechenfehler

Ein Rechenfehler bei den Parkkosten benachteiligt Flinkster

Insgesamt wurde Car2go hinsichtlich der Kosten als günstigster Anbieter dargestellt und erhielt wieder die Höchstpunktzahl. Flinkster schnitt schlechter ab und erhielt nur 2 Punkte, wohl vor allem durch die fehlerhafte Berechnung. DriveNow landet wieder auf dem letzten Platz.

Test 4: Rückgabe

Bei diesem Test schneidet Flinkster am schlechtesten ab, da die Rückgabe am Abholort bemängelt wird. Dies kann selbstverständlich ein Nachteil sein, muss es aber nicht. Denn anders, als hier im Test dargestellt, kann die Parkplatzsuche mit einem DriveNow oder Car2go gerade in der Stadt auch mal länger dauern und durch die Minutenpreise schnell teuer werden. Zudem eigenet sich für den gezeigten Anwendungsfall, eine Einkaufsfahrt, ein Carsharing-Auto an der nächstgelegenen Station oft am besten, da man ohnehin hin und zurück fährt. Die Stärke der flexiblen Abstellmöglichkeit von Car2go und DriveNow kommt vor allem bei Einwegstrecken zum Tragen. Fragen wirft auch der Gesamtpreis der Flinkster-Miete auf, der mit 12,60 Euro angegeben wurde. Nach Abzug der (falschen) Kosten für Hinweg und Parkzeit bleiben für den laut Bericht angeblich 40 Minuten langen Rückweg nur noch 2 Euro übrig. Das passt vor allem nicht zum gleichlangen Hinweg, der angeblich 7,60 Euro gekostet haben soll. Der dennoch insgesamt günstigere Preis gegenüber beiden anderen Anbietern wird aber offenbar nicht bei der Bewertung berücksichtigt. Car2go hingegen erhielt auch hier Platz 1 durch den geringeren Minutenpreis gegenüber DriveNow, die dieses Mal auf Platz 2 landeten.

Unser Fazit

Auch wenn man erfahrungsgemäß von solchen TV-Berichten nicht allzuviel erwarten kann, hat sich Galileo hier doch einige Patzer erlaubt. Dass es bei der Rückgabe von einer auf die nächste Sekunde plötzlich dunkel war, ist dabei noch zu vernachlässigen. Die zu hohe Angabe der Parkkosten bei Flinkster hingegen ist definitiv ein Fehler. Auch die unrealistische Berechnung der Fahrtkosten lässt das Carsharing der Bahn schlechter aussehen. Die Kosten der Rückfahrt sind gar nicht mehr nachvollziehbar. Am härtesten hat es jedoch DriveNow getroffen. Positives, wie die hohe Anzahl der Registrierungsfilialen, flossen scheinbar nicht in die Wertung ein. Bei Car2go „gelingt die lästige Eincheck-Bürokratie relativ schnell“, beim DriveNow-Wagen müssen die Tester „vor der ersten Fahrt erst mal alle Daten eingeben“. In beiden Fällen ist die Buchung durch Eingabe der PIN und Startbestätigung getan. An einigen Stellen wird trotz fast identischer Prozesse der Eindruck erweckt, Car2go sei besser als DriveNow. Dies schlägt sich dann auch in der Gesamtwertung nieder, bei der DriveNow der unglückliche Verlierer ist, und Car2go eindeutiger Testsieger. Ursachen sind vor allem die Kreditkartenpflicht und die technische Panne. Der fehlende Bankeinzug ist in der Tat ein Manko. Alles in allem wurden beim Testbericht allerdings handwerkliche und auch inhaltliche Fehler gemacht, die DriveNow und Flinkster gegenüber Car2go benachteiligten. Wichtige Details, wie die sehr unterschiedliche Höhe der Selbstbeteiligung im Schadensfall wurden ausgelassen. Für so einen Schnelltest ist das Thema zu komplex und damit steht das Testergebnis sehr in Frage.

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