Autonetzer ist eine Plattform, über die private Autobesitzer ihre Fahrzeuge vermieten. Das so genannte „private Carsharing“ bieten die Stuttgarter seit 2010 an und waren damit unter den ersten in Deutschland. Weitere Anbieter wie Tamyca folgten ebenfalls dem US-Vorbild Getaround und buhlen nun um Kunden. Das private Carsharing hat jedoch mit Vorbehalten zu kämpfen, die wir im Interview mit Daniel Bartel von Autonetzer ansprachen.

Autonetzer vermittelt Autos von Privat an Privat, welchen Vorteil sehen Sie in diesem Modell gegenüber dem klassischen Carsharing für die Nutzer, die kein Auto besitzen?

Autonetzer als Anbieter von privatem Carsharing ermöglicht das rundum versicherte Mieten von Privatfahrzeugen über unsere Plattform. Gegenüber klassischem Carsharing oder Autovermietungen ist die Auswahl deutlich größer (vom Kleinwagen zum Transporter, vom Kombi bis zum Sportwagen) und die Preise oftmals deutlich günstiger (bis zu 50% Ersparnis gegenüber Autovermietungen). Es gibt im Gegensatz zum klassischen Carsharing keine Anmelde- oder Grundgebühren und keine Kautionen, die vorab hinterlegt werden müssen. Während man klassisches Carsharing vorwiegend in größeren Städten findet, kann man bei Autonetzer Fahrzeuge in allen Regionen Deutschlands – auch in kleineren Städten oder auf dem Land – mieten. Ein Autonetzer-Kunde kann also nicht nur an seinem Heimatort mit uns mobil sein, sondern zum Beispiel auch bei Reisen überall in Deutschland. Auch weitere Fahrten und längere Mietzeiten sind bei uns kein Problem; hier sind wir eine ideale Ergänzung zum klassischen Carsharing, das sich aufgrund der Tarifstruktur insbesondere für kürzere Ausleihen und Strecken eignet.

In Berlin sind derzeit rund 50 Fahrzeuge bei Autonetzer gelistet, gerade die Carsharing-Töchter der Autohersteller stellen dagegen Hunderte Fahrzeuge in die Stadt, wie kann Autonetzer diesem Wettbewerb gerecht werden?

Als junges Unternehmen sind wir noch in der Anfangsphase – mittlerweile gibt es bereits mehr als 70 Autos in und um Berlin, und wir wachsen deutschlandweit jeden Monat mit ca. 30%. Unser Angebot wächst ständig und ist leicht skalierbar, da wir keine eigene Fahrzeugflotte betreiben, sondern Privatpersonen über unsere Plattform ihre Autos anbieten. Wir sind daher sehr zuversichtlich, dass unser Angebot in Größe und Auswahl bald andere Konzepte übertreffen wird. In unserem Modell entfällt auch die oftmals langwierige Standortentscheidung wie bei anderen Anbietern: Unsere Autos von Privatpersonen sind flächig verteilt; davon profitieren zum Beispiel auch städtische Randgebiete, die sich für andere Anbieter oft weniger lohnen.



Die Fahrzeugvielfalt in einer P2P-Carsharingplattform ist natürlich sehr groß, jedoch handelt es sich meist um recht alte Fahrzeuge, die zum Einen weniger Komfort bieten, aber auch oft mehr Kraftstoff 
verbrauchen und schlechtere Abgaswerte haben. Wie passt das zum Nachhaltigkeitsanspruch von Autonetzer? Haben Sie auch Elektrofahrzeuge im Angebot?

Für unsere Nutzer ist es höchste Priorität, flexibel und günstig von A nach B zu kommen – dazu ist nicht immer das neuste Modell notwendig. Bei uns wählen Mieter aus der großen Anzahl unterschiedlicher Modelle das Fahrzeug, das ihre individuellen Mobilitätsbedürfnisse am besten befriedigt. Dabei fällt die Auswahl meist auf ein Fahrzeug, welches im Schnitt wenig Sprit verbraucht. Das Durchschnittsalter der Fahrzeuge auf unserer Plattform ist sogar niedriger als der Altersdurchschnitt aller in Deutschland zugelassener Pkw. Einige Elektrofahrzeuge haben wir bereits auf unserer Plattform, es dürfen aber sicherlich noch mehr sein und wir freuen uns über jedes Elektroauto, das hinzukommt: Für Besitzer von Elektrofahrzeugen macht die Reduzierung der Unterhaltskosten sogar besonders großen Sinn. Einen wesentlichen Umweltbeitrag leisten wir mit privatem Carsharing, da wir nicht neue Fahrzeugflotten anschaffen, sondern helfen, bestehende Fahrzeuge sinnvoller auszulasten. Dies bedeutet mittelfristig ein geringeren Gesamtbedarf an Fahrzeugen und somit deren Produktion, was Ressourcen und CO2 spart.

Beim traditionellen Carsharing reserviert man verfügbare Fahrzeuge direkt ohne Wartezeit online oder per App auf dem Handy. Bei Autonetzer muss der Nutzer erst die Verfügbarkeit beim Fahrzeugbesitzer anfragen und auf dessen Antwort warten, wie lange dauert dies im Schnitt und wie vermeiden Sie Frustration, wenn es zu einer Absage kommt?

Mit Hilfe eines Kalenders und einem Freitext sind potenzielle Mieter schon vor der Anfrage über die typische Verfügbarkeit informiert – daher sind die Zusageraten sehr hoch. Um eine erfolgreiche Buchung noch wahrscheinlicher zu machen, können Mieter bei uns mehrere Fahrzeuge gleichzeitig unverbindlich anfragen. Bei einer Anfrage informieren wir die Vermieter zusätzlich per SMS und können dadurch die Wartezeit bis zur Zusage gering halten. Außerdem werden unsere Fahrzeuge im Schnitt für längere Strecken und Mietzeiten genutzt, so dass die Mieter in der Regel im Voraus planen. Die spontane Kurzzeitausleihe wird bei uns seltener nachgefragt.

Beim privaten Carsharing über Autonetzer ist zur Schlüsselübergabe ein persönliches Treffen zwischen dem Fahrzeugbesitzer und dem Mieter nötig. Sonst sind mittlerweile technische Lösungen üblich, die das Öffnen des Fahrzeugs per Chipkarte und die Angabe von Schäden per
 Terminal ermöglichen. Was ist in dieser Hinsicht geplant, um die Anmietung für beide Seiten komfortabler zu gestalten?

Der Erfolg anderer privater Mietplattformen (z.B. im Wohnbereich) zeigt, dass der persönliche Kontakt ein wichtiger Vertrauensfaktor ist. Wir erleichtern die notwendige Abstimmung zwischen Vermieter und Mieter durch einen effektiven Kommunikationskanal. Ein vorab ausgefülltes Übergabeprotokoll macht die Übergabe schnell und effektiv. Hier werden wir in naher Zukunft noch einige Innovationen bekanntgeben, die die Übergabe weiter erleichtern. Allerdings halten wir den persönlichen Kontakt für ein wesentliches Merkmal, das Peer-to-Peer-Konzepte von Angeboten klassischer Unternehmen unterscheidet und daher um die soziale Komponente bereichert.

Unser Fazit

Eine echte Konkurrenz für Flinkster, „Hertz On Demand“ und Co. ist privates Carsharing eher nicht – erst recht nicht für stationsungebundenes Carsharing von Car2go und DriveNow. Vielmehr kann es eine Alternative zur klassischen Automiete sein. Die Fahrzeugvielfalt ist groß und die Preise meist günstiger als bei kommerziellen Autovermietern. Für kontaktfreudige Menschen ist das persönliche Treffen mit anderen Mitgliedern sicher ein weiteres Argument für privates Carsharing. Und obwohl den Deutschen ja eine besondere Beziehung zu ihren Autos nachgesagt wird, spielt das eigene Auto gerade unter jungen Menschen, vor allem in der Stadt, heute eine deutlich geringere Rolle. Dies kommt solchen Plattformen auch entgegen, da sie immer leichter Vermieter gewinnen.

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