Schon vor dem Start Anfang November hat das Carsharing-Startup CiteeCar in der Presse für Aufsehen gesorgt. Es bindet einige Mitglieder persönlich in die Abläufe ein, ähnlich wie beim privaten Carsharing, aber bietet die Vorzüge einer klassischen Carsharing-Flotte. Durch die damit verbundenen Einsparungen soll das stationsgebundene Carsharing von CiteeCar vor allem mit seinem günstigen Stundenpreis punkten. Doch kann das neue Modell tatsächlich überzeugen?

Seit dem Start von DriveNow und Car2go in Berlin, ist das klassische Carsharing mit festen Stationen in der Wahrnehmung ins Hintertreffen geraten. Nicht zuletzt durch die massive Präsenz der Fahrzeuge im Innenstadtgebiet, zusammen mehr als 1.500 Wagen, sind die Hauptstädter auf das One-Way-Carsharing der Automobilhersteller aufmerksam geworden. Doch die Flexibilität, die laut unserer Umfrage eine sehr wichtige Rolle für Carsharing-Nutzer spielt, hat ihren Preis. Für eine Stunde Fahrt mit Car2go oder DriveNow werden 12,90 bzw. 14,90 Euro berechnet. Günstiger ist bei längeren Fahrten das stationsgebundene Carsharing beispielsweise von Flinkster und „Hertz on Demand“, wo man jedoch mehr im Voraus planen und die Fahrzeuge am Abholort wieder abstellen muss. Dafür zahlt man hier für vergleichbare Fahrzeuge zwischen 1,50 und 6 Euro stündlich zzgl. einer Kilometerpauschaule zwischen 0,15 und 0,30 Euro. Da für die Mitgliedschaft oft keine Monatsgebühren verlagt werden, melden sich Nutzer, die Carsharing häufiger in Anspruch nehmen, gerne bei mehreren Anbietern an und nutzen diese passend zum Anlass und entsprechend der Verfügbarkeit.

CiteeCar Kia Rio

Kampfansage gegen Flinkster, Hertz & Co.

Ein wichtiger Kostenfaktor beim Carsharing sind die Parkgebühren und Wagenpflege. Beides übergibt CiteeCar in die Hände einiger Mitglieder. Die so genannten „Hosts“ stellen einen Parkplatz zur Verfügung, kümmern sich gelegentlich um die Betankung und Reinigung „ihres“ Wagens und erhalten dafür Vergünstigungen. 100 freie Zeiteinheiten, „CiteeCar-Credits“, kann ein Host monatlich einsetzen, um Zeitgebühren zu sparen. Bei Fahrten unter der Woche (Mo-Fr) von 17 bis 24 Uhr oder am Wochende von 7 bis 24 Uhr werden je Stunde 4 Zeiteinheiten abgezogen. In der Nebenzeit unter der Woche von 7 bis 17 Uhr werden noch 2 Credits je Stunde verbraucht und nachts von 0 bis 7 Uhr nur einer. So kann ein Host CiteeCar selbst zwischen 25 und 100 Stunden monatlich nutzen, ohne für die Mietdauer Geld zu zahlen. Nicht verbrauchte „Credits“ verfallen jedoch am Monatsende. Ist das Guthaben verbraucht, zahlt man wie alle Anderen einen Euro pro Stunde. Die Kilometerpauschale in Höhe von 20 Cent wird immer berechnet. Wer keinen CiteeCar-Wagen betreut, zahlt zusätzlich einen Monatsgrundpreis von 5 Euro. Mit diesem Preismodell – 5 Euro monatlich, 1 Euro pro Stunde und 20 Cent pro Kilometer – greift CiteeCar die etablierten Carsharing-Anbieter an. Zum Vergleich: Im Lokaltarif von Flinkster zahlt man 10 Euro monatlich und tagsüber mindestens 1,50 Euro sowie 26 Cent pro Kilometer. Bei „Hertz On Demand“ fällt keine Grundgebühr an, dafür zahlt man tagsüber an Wochentagen mindestens 2 Euro stündlich, aber nur 17 Cent Kilometerpauschale. Wie attraktiv ist das CiteeCar-Modell wirklich?

Inwiefern sich CiteeCar für die „Hosts“ lohnt, hängt vor allem auch von der Stellplatzmiete ab. Gerade in der Innenstadt sind Mietparkplätze nicht nur rar, sondern auch teuer. Ein Tiefgaragenplatz kostet schnell über 100 Euro pro Monat. Günstiger als 30 Euro monatlich kommt man jedoch mit Sicherheit auch bei Parkplätzen im Freien kaum weg. Zudem ist fraglich, ob die Mietbedingungen solcher Stellplätze das Carsharing überhaupt erlauben. Unsere mehrfache Bitte Informationen bzw. Argumente zur Überzeugung der Vermieter zu liefern, verlief sich bislang leider im Sand. Auch generell machte der CiteeCar-Service bei unseren Anfragen bisher keinen sonderlich professionellen Eindruck. Die Mitarbeiter sind nicht über die Kundengespräche ihrer Kollegen informiert und halten einen immer wieder hin, anstatt wirklich weiterzuhelfen. Das komplizierte Credit-System und die lange Preis- und Gebührenliste sind ebenfalls wenig überzeugend. Was jedoch besonders abschreckt ist die hohe Selbstbeteiligung im Schadensfall. Ohne Zusatzversicherung, die monatlich 6 Euro (also 72 Euro im Jahr) kostet, müssen Schäden bis 1.000 Euro selbst durch das Mitglied getragen werden. Das ist zwar günstiger, als bei Flinkster (1.500 Euro Selbstbeteiligung oder Reduzierung auf 300 Euro gegen 90 Euro Jahresgebühr), bei „Hertz On Demand“ liegt die Selbstbeteiligung allerdings ohne Zusatzgebühr bei nur 250 Euro. Wer CiteeCar also häufig nutzt und den Selbstbehalt daher auf 200 Euro reduzieren will, zahlt schon 11 Euro monatlich, sofern er kein „Host“ ist. Auch der mit 1 Euro sehr günstige Stundenpreis gilt nur mit der Einschränkung, dass man mindestens für 2 Stunden zahlen muss. So relativiert sich, ähnlich wie schon bei Multicity, der zunächst günstigere Preis durch die unvorteilhaften Tarifbedingungen.

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