Elektromobilität ist in aller Munde und Carsharing bietet Herstellern sowie Verbrauchern die Möglichkeit erste Erfahrungen mit der neuen Technik zu machen. So gab es schon früh Pilotprojekte, unter anderem mit dem Mini E oder Smart electric drive, die beispielsweise bei Flinkster zur Flotte gehören. Citroen startet am 30.08.12 in Kooperation mit der Bahntochter das erste rein elektrische Carsharing in Berlin unter dem Namen „Multicity“. Wer sich vor dem Start registriert, spart 25 Euro Anmeldegebühr und erhält bis zu 60 Freiminuten.

One-Way-Carsharing im 10-Minuten-Takt und ohne Parkrabatt

Anders, als bei Car2go und DriveNow gewohnt, zahlt man nicht minutengenau und im Parkmodus weniger, sondern je angefangenem 10-Minuten-Block 2,50 Euro. Vielfahrer können gegen 10 Euro Monatsgebühr den 10-Minuten-Preis auf 2,00 Euro senken. Wer das Fahrzeug parkt, aber die Miete nicht beendet, zahlt weiter den Normalpreis. Bei der Konkurrenz von BMW und Daimler beträgt der Minutenpreis 29 Cent, der wird jedoch im Parkmodus auf 10 bzw. 9 Cent reduziert. Der günstigere effektive Minutenpreis bei Multicity, 25 bzw. 20 Cent, wird also durch den unvorteilhaften Abrechnungstakt und das Fehlen eines vergünstigten Parkmodus deutlich relativiert. Beide Tarife sind auf 39 Euro pro Tag gedeckelt. Allerdings sind bei Anwendung des Tagespreises im Unterschied zur Kurzmiete die Parkkosten nicht inkludiert und müssen vom Kunden selbst getragen werden. Wie das genau ablaufen soll, bleibt offen.

Die Registrierung kostet im Normalfall einmalig 25 Euro. Bis 29.08.12 entfällt die Anmeldegebühr jedoch. Außerdem erhält man 30 Freiminuten, bei Angabe einer BVG-Jahreskartennummer sogar 60 Minuten Fahrtguthaben. Die Reservierung der Fahrzeuge erfolgt wie gewohnt per Smartphone-App, Website oder Hotline für jeweils 15 Minuten. Für Multicity-Kunden soll die Quernutzung von Flinkster und „Call a Bike“ mit der selben Kundenkarte möglich sein. Ob dies umgekehrt beispielsweise auch Flinkster-Kunden ermöglicht wird, ist unklar. Einerseits wurden die Flinkster-AGB kürzlich für Multicity angepasst, weitere Informationen konnten wir dazu jedoch selbst in den Multicity-FAQ nicht finden.

Einschränkungen durch reinen Elektroantrieb

Zum Start sollen insgesamt 100 Citroën C-Zero zur Verfügung stehen. Die Flotte werde später auf 500 Autos ausgebaut. Die Elektrofahrzeuge haben nach Herstellerangaben eine Reichweite von bis zu 150 Kilometern und können an RWE-Ladestationen „aufgetankt“ werden – aktuell werden beim Ladesäulenfinder vom Energieanbieter 91 Stück in Berlin und Umgebung angezeigt. Den Weg dort hin zeigt das Navi im Fahrzeug. Die volle Ladekapazität wird innerhalb von 6 Stunden Ladezeit erreicht.

Sobald ein Mindestladestand erreicht wurde, muss das Auto mit mindestens 10 km Restreichweite abgestellt werden. Anderenfalls drohen hohe Zusatzkosten, die leider nicht genau definiert sind. Der Fahrer wird durch entsprechende Anzeigen über Ladestand und Reichweite informiert. Ob in diesem Fall ein Parkplatz mit Ladesäule aufgesucht werden muss, ist nicht ganz eindeutig. Es ist nur von einem „zulässigen Parkplatz“ die Rede. Vermutlich genügt also einfach das Abstellen, so dass ein Multicity-Mitarbeiter die Aufladung vornehmen kann. Inwiefern die überschaubaren Reichweiten und damit häufigen sowie vergleichsweise langen Ladevorgänge zu Lasten der Verfügbarkeit der Fahrzeuge geht, wird sich noch zeigen.

Karte Multicity Geschäftsgebiet

Auch beim Geschäftsgebiet könnte sich der Elektroantrieb als Nachteil herausstellen, sind die C-Zero doch von der Erreichbarkeit einer Ladesäule abhängig. Diese befinden sich vor allem im Zentrum und Westen der Stadt. Selbst in den beliebten Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg sowie Pankow (wozu auch Prenzlauer Berg gehört) findet man kaum welche, genauso ist es auch im Wedding. Dennoch deckt das Geschäftsgebiet von Multicity zum Start im Wesentlichen den Bereich innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings ab. Auch in der näheren Umgebung der Messe Berlin können die Fahrzeuge abgestellt und die Miete beendet werden. Unmittelbare Erweiterungsmöglichkeiten ergeben sich durch einige bereits vorhandene Ladesäulen vor allem in Westend, Spandau, Lichtenberg, Hellersdorf-Marzahn und Neukölln. Schwierig aufgrund fehlender Ladeinfrastruktur wird es hingegen in Steglitz-Zehlendorf, Reinickendorf, Pankow und Treptow-Köpenick.

Gerade hat die Pressestelle von Citroen unsere Fragen beantwortet: Bei Erreichen des Ladelimits muss das Fahrzeug tatsächlich nicht an einer Ladestation abgestellt werden, sondern kann irgendwo geparkt werden. Stellt man das Auto mit weniger als 10 km Restreichweite ab, werden die tatsächlichen Mehrkosten weiterberechnet, also z.B. vom Abschleppdienst. Bei der Tagesmiete werden die Parkgebühren über die Multicity-Rechnung weiterberechnet, es muss kein separater Parkschein gekauft werden. Flinkster-Kunden werden Multicity auch ohne separate Anmeldung nutzen können, wie genau, wird noch bekannt gegeben.

Kommentare